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  Vilseck - Türmermuseum
 



Erstes deutsches Türmermuseum in Vilseck

Türmer (auch Turmwächter oder Turmbläser genannt) hatten allgemein die Aufgabe, vom höchsten Turm aus die Stadt oder Burg vor Gefahren zu warnen.

Zu den zu meldenden Gefahren gehörten herannahende Truppen und Banden, aber auch Brände, die wegen der Enge der Städte, der weit verbreiteten Holzbauweise und des lange als Brennmaterial verwendeten Torfs, dessen Asche relativ lange nachglüht, sehr gefährlich waren.

Je nach Gegebenheit wurden dafür Kirchtürme oder Türme der Stadtbefestigung genutzt, innerhalb der Burgen war es meist der Bergfried. Zur Warnung der Bürger nutzten die Türmer entweder ein Wächterhorn, eine Glocke, Signalflaggen oder bei Dunkelheit auch Lampen. Es war durchaus üblich, dass Türmer auch im Turm wohnten. Eine weitere Aufgabe des Türmers konnte zudem das stündliche Schlagen einer Glocke zur Zeitangabe sein.

Das Choralblasen vom Turm ist eine rein protestantische Einrichtung, die erst mit der Reformation aufkam. Dem geblasenen Choral kam eine besondere Bedeutung zu, da es eine Art der Predigt darstellte, die über die Häuser hinweg zu den Menschen getragen wurde. Die Gemeinde hörte den Choral und konnte zuhause oder auf der Straße mitsingen oder mitbeten.

Im Jahr 1467 brannte der Turm der Salvatorkirche in Duisburg aus, nachdem der Turmwächter neben einer brennenden Kerze eingeschlafen war. Eine eigenwillige Ironie, wenn man bedenkt, dass der Türmer auch Brandwächter über der Stadt war.

Tragisch endete 1661 das Schicksal des Türmers von St. Reinoldi in Dortmund, als dessen Kirchturm nach Erdbebenschäden einstürzte. Zwar, so berichten die Stadtchroniken, schaffte er es noch die Passanten unterhalb des Turmes zu warnen, der Wächter selbst fand jedoch den Tod.

In der Hamburger Kirche St. Michaelis versah der Türmer schon im Turm der ersten großen St. Michaeliskirche, die 1750 durch Blitzschlag zerstört wurde, sein Amt. Der damalige Türmer Hartwig Christoffer Lüders schrieb:

    „Den 2. März 1750 habe ich den Dienst angetreten, aber nur acht Tage verwaltet, weil den 10. März selbigen Jahres die Kirche samt Thurm durch einen unglücklichen Wetterstrahl in die Asche gelegt ward. Anno 1778 den 14. September habe ich durch die Gnade Gottes erlebt, daß der Knopf und Flügel des neu erstandenen Thurmes ist wieder aufgesetzt, und mit innigster Freude Lob- und Danklieder musicirt.“

Schon einen Monat nach dem großen Unglück ließ der Rat der Stadt auf dem Großneumarkt einen 20 Meter hohen Glockenturm aus Holz errichten, in dem Glocken der kurz vorher wegen Baufälligkeit abgerissenen kleinen St. Michaeliskirche aufgehängt wurden. Von diesem Turm blies der Türmer dann täglich morgens um 10 Uhr und abends um 21 Uhr seinen Choral bis er diesen Dienst wieder vom Turm herab ausüben konnte. Er und seine Nachfolger mussten übrigens noch bis in die zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts einen Teil ihres Einkommens zu Weihnachten mit einer Büchse bei den Gemeindemitgliedern erbitten.


Quelle: Wikipedia
 
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